Selbsthilfe Kontaktstelle

Soziales Netzwerk Lausitz

Selbsthilfe-Kontaktstelle im Landkreis Görlitz

Selbsthilfe-Kontaktstelle im Landkreis Görlitz
Projektziel

Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe und Selbsthilfeinteressierte (KISS)

Ziel der Selbsthilfe-Kontaktstelle ist es, Menschen mit chronischen oder psychischen Erkrankungen sowie deren Angehörige zu stärken, indem Selbsthilfe sichtbar gemacht, vernetzt und nachhaltig unterstützt wird. Durch Orientierung, Beratung und Begleitung erleichtert KISS den Zugang zu Selbsthilfeangeboten, fördert psychosoziale Stabilität und Teilhabe und trägt zum Aufbau tragfähiger Selbsthilfestrukturen im Landkreis Görlitz bei – analog wie digital.

Projektbeschreibung

Selbsthilfe stärken, vernetzen und sichtbar machen

Für Menschen mit chronischen oder psychischen Erkrankungen fühlt sich der erste Schritt zur Unterstützung oft an wie ein Sprung ins Ungewisse – unklar, wo er landen wird, und begleitet vom Gefühl, allein unterwegs zu sein. Die Selbsthilfe-Kontaktstelle setzt genau hier an: Sie bietet klare Orientierung, erleichtert den Zugang zu bestehenden Gruppen und unterstützt beim Aufbau neuer Angebote.

Warum Selbsthilfe wirkt – das zeigt eindrücklich die SHILD-Studie (2012–2018):
  • 9 von 10 Befragten berichteten, von den Erfahrungen anderer profitieren zu können.
  • 8 von 10 Betroffenen bewältigen ihre Erkrankung besser durch die Teilnahme.
  • 96 % empfanden, durch den Austausch mit Gleichbetroffenen nicht mehr allein zu sein.
    Diese Zahlen belegen, dass Selbsthilfe nicht nur als Austausch, sondern als sichtbare Quelle von Kraft und Perspektive wirkt.

(vgl. Kofahl et al., 2019)

In vertrauensvollen Gesprächsrunden, praxisnahen Workshops und Austauschformaten entsteht ein geschützter Raum – zum Durchatmen, Wissen teilen und wieder Kraft schöpfen. Die Selbsthilfe-Kontaktstelle baut Isolation ab, fördert psychosoziale Stabilität und stärkt Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Was ist gesundheitsbezogene Selbsthilfe? (mit Untertitel)

Maßnahmen

Beratung & Begleitung von SHG

Selbsthilfegruppen werden individuell zu organisatorischen, rechtlichen und strukturellen Fragen beraten. Die kontinuierliche Begleitung unterstützt die Gruppenarbeit, schafft Orientierung und trägt zur langfristigen Stabilität der Angebote bei.

Unterstützung bei Gruppengründungen

Menschen mit ähnlichen Erfahrungen und Anliegen werden beim Aufbau neuer Selbsthilfegruppen begleitet. KISS unterstützt von der ersten Kontaktaufnahme über die Konzeptentwicklung bis hin zur Gründung und Etablierung der Gruppe.

Vernetzung & Zusammenarbeit

KISS fördert den Austausch zwischen bestehenden Selbsthilfegruppen sowie die Zusammenarbeit mit professionellen Akteuren wie Ärztinnen, Therapeutinnen und sozialen Einrichtungen. So entstehen verlässliche Netzwerke und gegenseitige Unterstützung.

Information & Qualifizierung

Durch Informationsmaterialien, Schulungen und praxisnahe Workshops werden Wissen und Kompetenzen innerhalb der Selbsthilfe gestärkt. Die Angebote unterstützen Gruppen dabei, ihre Arbeit sicher, wirksam und selbstbestimmt zu gestalten.

Öffentlichkeitsarbeit & Sensibilisierung

Mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit macht KISS Selbsthilfe sichtbar und informiert über bestehende Angebote. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, neue Teilnehmende zu erreichen und Selbsthilfe als wirksames Unterstützungsinstrument zu etablieren.

Partner in der Umsetzung

Mitmachen erwünscht!

Die bestehenden Selbsthilfegruppen freuen sich über neue Gesichter. Wenn Sie selbst Betroffene:r oder Angehörige:r sind und Austausch suchen – ganz gleich, ob regelmäßig oder nur gelegentlich –, sind Sie herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenfrei, unverbindlich und vertraulich.

Konkrete Projekte

Außensprechstunden

Mit unseren Außensprechstunden bringen wir Selbsthilfe direkt vor die Haustür. Mehrmals im Jahr sind wir in Zittau, Löbau und Görlitz unterwegs – so erreichen wir möglichst viele Menschen im gesamten Landkreis.

Vor Ort gibt es die Gelegenheit, uns persönlich kennenzulernen, Fragen zu stellen und sich über Selbsthilfegruppen zu informieren. Bestehende Gruppen unterstützen wir bei aktuellen Herausforderungen – unkompliziert und direkt im Gespräch. Auch Unternehmen, Ärztinnen und Therapeutinnen beziehen wir mit ein: Sie sind wichtige Multiplikatoren, wenn es darum geht, Selbsthilfe bekannter zu machen. 2024 konnten wir z. B. 16 Unternehmen gewinnen, mit denen wir in Austausch gegangen sind – teils sogar in internen Veranstaltungen.

So wächst unser Netzwerk Schritt für Schritt und immer mehr Menschen erfahren, welche Chancen Selbsthilfe bietet.

Selbsthilfe-App “Likewise

Neben persönlichen Gesprächen setzen wir auch auf digitale Unterstützung: Mit der App Likewise steht seit 2023 eine Plattform bereit, die Austausch in Selbsthilfegruppen auch über Entfernungen hinweg ermöglicht. Gerade in ländlichen Regionen wird so eine Brücke gebaut, die Nähe schafft, wo Distanz spürbar ist.

Die Evaluation 2025 bestätigt den Erfolg:

  • Über 5.800 Downloads und mehr als 2.000 registrierte Nutzer*innen, von denen rund 80 % seit über einem Jahr aktiv sind.
  • Rund 40 % berichten, dass sich ihre Lebenssituation durch den Austausch in Likewise verbessert hat.
  • Die Themenvielfalt ist groß: Neben gesundheitsbezogenen Gruppen (57 %) gibt es viele Angebote mit Gemeinwohl-Bezug – von Nachbarschaftshilfe bis gemeinschaftliche Aktivitäten.
  • Ein besonderes Plus: Datenschutz und Verlässlichkeit – Werte, die in sensiblen Kontexten entscheidend sind.

Gleichzeitig zeigt die Studie: Es gibt noch viel Potenzial. Wünsche wie Sprachnachrichten oder eine leichtere Sprache sollen die Nutzung künftig noch barriereärmer machen.

So verbinden wir klassische Selbsthilfearbeit vor Ort mit innovativen digitalen Wegen – und schaffen Räume, in denen Menschen einander finden, sich gegenseitig stärken und neue Perspektiven entdecken können.

Selbsthilfe-Botschafter

Mit dem Selbsthilfe-Botschafter-Programm bringen wir das Thema ganz nah an die Menschen – persönlich, praxisnah und vernetzend. Die Botschafter sind engagierte Multiplikator*innen, die Selbsthilfegruppen begleiten, bei der Organisation unterstützen und neue Zielgruppen erschließen. Gerade in ländlichen Regionen wirken sie als Brückenbauer zwischen bewährter Selbsthilfearbeit und Menschen, die bisher noch keinen Zugang gefunden haben.

Die Erfahrungen aus der ersten Projektphase zeigen: Botschafter fördern nicht nur die Stabilität bestehender Gruppen, sondern helfen auch, neue Gruppen ins Leben zu rufen und Teilnehmende langfristig zu binden.

2025 steht die Weiterentwicklung im Mittelpunkt:

  • Mit einem Multiplikatoren-Wirksamkeitsindex wird erstmals messbar, wie stark die Arbeit der Botschafter wirkt.
  • Modulare Schulungsmaterialien machen Botschafter fit für ihre Rolle – praxisnah, flexibel einsetzbar und auf die besonderen Anforderungen der Selbsthilfe zugeschnitten.

Die Schulungen vermitteln Grundlagen der Selbsthilfearbeit, rechtliche und organisatorische Kenntnisse, stärken persönliche Kompetenzen und geben praktische Werkzeuge an die Hand – von Methoden der Gruppenbegleitung bis hin zu Strategien für die eigene Belastbarkeit. Ergänzt durch digitale Inhalte entsteht ein flexibler Werkzeugkasten, der Botschafter nachhaltig in ihrer Rolle stärkt.

So wächst ein Programm, das Menschen befähigt, Verantwortung zu übernehmen, Selbsthilfegruppen lebendig zu halten und neue Impulse in die Selbsthilfelandschaft des Landkreises zu bringen.

Gemeinsam mehr bewegen

Selbsthilfe lebt vom Engagement der Menschen vor Ort – und braucht zugleich verlässliche Unterstützung. Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) fördern deshalb seit vielen Jahren die Arbeit von Selbsthilfegruppen, -organisationen und -kontaktstellen. Diese Förderung stärkt die Strukturen, ermöglicht neue Projekte und sichert die Vielfalt der Angebote.

Gefördert werden z. B. Gruppentreffen, Informationsmaterialien, Seminare oder fachliche Begleitung. So wird Selbsthilfe für alle leichter zugänglich – unabhängig vom Geldbeutel.

Für Gruppen bedeutet das: weniger organisatorische Hürden, mehr Raum für das Wesentliche – den Austausch, das Miteinander und die gemeinsame Bewältigung von Herausforderungen.

Die Selbsthilfe-Kontaktstelle unterstützt dabei, passende Fördermöglichkeiten zu finden und Anträge zu stellen. Denn je mehr Gruppen von dieser Förderung profitieren, desto sichtbarer, wirksamer und lebendiger wird die Selbsthilfelandschaft in unserer Region.

Mitmachen? Fragen? Interesse? 

Du brauchst Unterstützung – für dich selbst oder jemanden aus deinem Umfeld? 
Oder möchtest du dich als Peer oder Ehrenamtliche:r einbringen? So wächst ein Programm, das Menschen befähigt, Verantwortung zu übernehmen, Selbsthilfegruppen lebendig zu halten und neue Impulse in die Selbsthilfelandschaft des Landkreises zu bringen.

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