Was metropolis e.V. in Sachsens Bahnen über Generationenzusammenhalt herausgefunden hat
Begegnungen im Alltag zeigen, wie viel Potenzial im direkten Gespräch zwischen Jung und Alt steckt
Was passiert, wenn Menschen in der Straßenbahn nicht nur nebeneinandersitzen, sondern miteinander ins Gespräch kommen?
Metropolis e.V. geht genau dieser Frage nach. Seit 2022 führt der Verein moderierte Dialoge in Straßenbahnen in Leipzig, Dresden und Chemnitz sowie in Regionalbahnen der Lausitz. Fahrgäste werden eingeladen, für einige Minuten Platz zu nehmen und über Zukunftsfragen zu sprechen.
In einer Digitalen Tafelrunde durften wir als Sächsische Generationenagentur dieses Projekt näher kennenlernen. Die folgenden Inhalte basieren auf den Erhebungen und Auswertungen von metropolis e.V., die im Rahmen ihres Themenschwerpunkts Generationen entstanden sind.
Die Gespräche zeigen deutlich, wie groß der Wunsch nach mehr Austausch zwischen Jung und Alt ist.
Auf einen Blick
Und darum geht es:
Einblick in ein ungewöhnliches Dialogformat
Wie metropolis e.V. Straßen- und Regionalbahnen in Sachsen zu Gesprächsräumen für Generationenthemen macht.
Konkrete Erkenntnisse aus 589 Gesprächen
Welche Wünsche und Zukunftsbilder Menschen laut Auswertung von metropolis e.V. zum Miteinander der Generationen formuliert haben.
Zentrale Themen des Generationendialogs
Warum Begegnungsräume, Wissensaustausch und gegenseitige Wertschätzung immer wieder genannt wurden.
Praxisimpulse für die Generationenarbeit
Was sich aus den Ergebnissen von metropolis e.V. für niedrigschwellige Dialogformate und lokale Initiativen ableiten lässt.
Begegnung braucht Raum
Nach Angaben von metropolis e.V. wurden allein zum Thema Generationenzusammenhalt 589 Menschen ins Gespräch gebracht. Die durchschnittliche Gesprächsdauer lag bei rund zwölf Minuten.
Ein zentrales Motiv in den Gesprächen war der Wunsch nach mehr generationenübergreifender Nähe im Alltag.
Viele Teilnehmende beschrieben gegenüber metropolis e.V. eine Zukunft, in der Wohnen stärker verbindet. Genannt wurden unter anderem Begegnungsorte in der Nachbarschaft, generationenübergreifende Wohnformen und bezahlbarer Wohnraum für unterschiedliche Lebensphasen. Auch die Idee, Kindertagesstätten und Einrichtungen für ältere Menschen näher zusammenzubringen, wurde mehrfach formuliert.
Die Botschaft dahinter ist klar. Wo Menschen sich regelmäßig begegnen, wächst Verständnis.
Wissen soll zirkulieren
Ein weiterer Schwerpunkt, den metropolis e.V. aus den Gesprächen herausarbeitet, betrifft den Austausch von Kompetenzen.
Ältere Menschen berichteten von handwerklichem Wissen und Lebenserfahrung. Jüngere Generationen stehen für digitale Kompetenzen und neue Perspektiven. Viele Gesprächspartner wünschten sich, dass dieses Wissen selbstverständlicher geteilt wird.
Dabei ging es nicht um große Programme. Oft waren es ganz praktische Ideen wie Zeitzeugengespräche, gemeinsame Projekte oder gegenseitige Unterstützung im Alltag.

Respekt entsteht durch Kontakt
Im zweiten großen Themenfeld beschreibt metropolis e.V. die Bedeutung von Wertschätzung und Konfliktfähigkeit.
Viele Teilnehmende betonten, wie wichtig es sei, die Lebensleistung älterer Menschen sichtbar zu machen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass auch junge Generationen mit pauschalen Zuschreibungen konfrontiert werden.
Eine Beobachtung aus den Gesprächen war, dass Vorurteile besonders dort bestehen bleiben, wo direkter Kontakt fehlt. Wo Begegnung möglich ist, relativieren sich solche Bilder schneller.
Auch das Thema Einsamkeit spielte eine Rolle. Mehrfach wurde beschrieben, dass sich insbesondere ältere Menschen isoliert fühlen. Gleichzeitig formulierten viele die Sehnsucht nach mehr Selbstverständlichkeit im Alltag. Ein Gruß, ein Gespräch, ein gemeinsames Projekt können bereits einen Unterschied machen.
Eine Begegnung, die beispielhaft ist
Metropolis e.V. schilderte in der Digitalen Tafelrunde eine Begegnung zwischen einer jungen Frau aus dem Sudan und einem älteren Ehepaar aus Thüringen. Trotz unterschiedlicher Hintergründe fanden sie schnell Gemeinsamkeiten im generationenübergreifenden Zusammenleben.
Was als zufälliges Gespräch begann, führte zu einer gemeinsamen Erkenntnis. Der Dialog zwischen den Generationen darf nicht abbrechen.
Wissen für den Alltag
Diese fünf Impulse nehmen wir aus der Digitalen Tafelrunde mit
1. Dialog gelingt dort, wo Menschen ohnehin sind.
Niedrigschwellige Formate im Alltag erreichen auch diejenigen, die sonst selten an Beteiligungsprozessen teilnehmen.
2. Gespräche über Erfahrungen verbinden stärker als Debatten über Meinungen.
Wer fragt, was jemand erlebt hat, öffnet Räume für Verständnis.
3. Begegnungsräume sind eine Investition in Zusammenhalt.
Ob Nachbarschaftstreff oder generationenübergreifendes Wohnprojekt. Struktur schafft Kontakt.
4. Wissensaustausch ist keine Einbahnstraße.
Jede Generation bringt Kompetenzen mit. Entscheidend ist, Gelegenheiten zum Austausch zu schaffen.
5. Generationenzusammenhalt entsteht durch Wiederholung.
Ein Gespräch ist ein Anfang. Nachhaltig wird es durch regelmäßige Begegnung.



