Gemeinsam die Zukunft der Selbsthilfe gestalten
Wie bleibt Selbsthilfe auch in Zukunft sichtbar und zugänglich? Was brauchen die Gruppen, um neue Menschen zu erreichen und langfristig aktiv zu bleiben? Und wie können wir die Selbsthilfe noch besser mit Beratungsstellen, medizinischer Versorgung und anderen Unterstützungsangeboten verbinden?
Mit diesen Fragen haben wir uns am 7. August 2026 bei unserer Veranstaltung „Gemeinsam stark – Netzwerk Selbsthilfe“ beschäftigt. Eingeladen waren Selbsthilfeaktive sowie Selbsthilfeinteressierte und Fachpersonen aus dem Landkreis Görlitz. Uns war wichtig, nicht nur über Selbsthilfe zu sprechen, sondern vor allem miteinander ins Gespräch zu kommen und konkrete Ideen für die weitere Arbeit zu entwickeln.
Nach der Begrüßung richtete Matthias Reuter, Sozialraumplaner des Landkreises Görlitz, einige Grußworte an die Teilnehmenden. Anschließend gab die Landesinitiative Demenz Sachsen einen Einblick in das Krankheitsbild Demenz.
Das Thema ist für die Selbsthilfe von besonderer Relevanz, da viele unserer Selbsthilfegruppen eine hohe Altersstruktur aufweisen. Wenn Teilnehmende selbst an Demenz erkranken, pflegebedürftig werden oder Angehörige mit Demenz begleiten und pflegen, kann dies auch Auswirkungen auf das Gruppenleben haben. Dabei stellen sich beispielsweise Fragen wie: Wie können Betroffene und Angehörige weiterhin Teil der Selbsthilfe bleiben? Und was brauchen Selbsthilfegruppen, wenn sich die Bedürfnisse ihrer Mitglieder verändern?
Der Impuls hat dafür einen wichtigen Blickwinkel eröffnet und gleichzeitig gezeigt, wie viele Themen innerhalb der Selbsthilfe miteinander verbunden sind.


Alle Teilnehmenden bekamen von uns einen Ordner für ihre Selbsthilfegruppe geschenkt. Darin finden sich das gemeinsam erarbeitete Leitbild für Selbsthilfegruppen, ein Kennenlern-Bingo sowie Informationen zum Gruppenkompass. So haben die Gruppen die Möglichkeit, alle Dokumente für ihre Selbsthilfegruppenarbeit an einem Ort zu sammeln und den Ordner nach und nach um weitere hilfreiche Materialien zu ergänzen.
Danach ging es an die Thementische. In kleinen Runden wurde diskutiert, Erfahrungen wurden geteilt und konkrete Ideen gesammelt. Im Mittelpunkt standen vier Themen:
1. Sichtbarkeit fördern als Selbsthilfebotschafter und Multiplikatoren
2. Umgang mit Demenz: Rolle und Möglichkeiten in der Selbsthilfe
3. Vernetzung von Selbsthilfegruppen
4. Öffentlichkeitsarbeit und Zugangswege zur Selbsthilfe


Was nehmen wir aus dem Austausch mit?
Ein Thema zog sich durch viele Gespräche: Die Gruppen möchten sich stärker miteinander vernetzen.
Dabei braucht es nicht ständig große Veranstaltungen. Gewünscht wurden vor allem regelmäßige und unkomplizierte Möglichkeiten, andere Gruppen kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Deshalb runden zukünftig unsere Selbsthilfe-Stammtische im Norden und Süden des Landkreises unsere regelmäßigen Moderatorentreffen ab. Ergänzend soll es weiterhin Möglichkeiten geben, alle Gruppen zusammenzubringen – zum Beispiel bei einem gemeinsamen Jahrestreffen oder einer kleinen Jahresabschlussveranstaltung.
Auch bei der Sichtbarkeit gab es klare Ideen. Selbsthilfe soll dort auftauchen, wo Menschen nach Unterstützung suchen: in Beratungsstellen, Arztpraxen, Kliniken, aber auch online und bei öffentlichen Veranstaltungen.
Eine Idee, die wir weiterverfolgen möchten, ist deshalb, den Tag der Selbsthilfe, welcher jedes Jahr am 16.09. stattfindet, mit besonderen Projekten unserer Selbsthilfegruppen zu beleben. Selbsthilfe soll dabei nicht nur über Flyer und Infostände vermittelt werden. Menschen sollen die Möglichkeit bekommen, Gruppen kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen und einen direkten Eindruck davon zu bekommen, was Selbsthilfe bedeutet.
Ein weiterer Punkt war die Frage, wie Menschen außerhalb der bestehenden Gruppen für die Selbsthilfe gewonnen werden können. Nicht jeder muss selbst Teil einer Gruppe sein, um etwas beizutragen. Menschen können Informationen weitergeben, auf Angebote aufmerksam machen, bei Veranstaltungen unterstützen oder ihre eigenen Erfahrungen mit anderen teilen.
Und auch die Zusammenarbeit mit Beratungsstellen, Arztpraxen und Kliniken soll weiter gestärkt werden. Wenn Menschen Unterstützung suchen, sollte der Weg zu einem passenden Selbsthilfeangebot möglichst einfach sein.
Die Veranstaltung war für uns deshalb kein Abschluss, sondern ein Ausgangspunkt.
Wir wollen die Ergebnisse jetzt Schritt für Schritt in unsere weitere Arbeit aufnehmen. Dazu gehören die regionalen Stammtische, weitere Möglichkeiten für den Austausch der Gruppen, mehr Sichtbarkeit für die einzelnen Angebote über eine besondere Kampagne und ein stetiger Ausbau der Kontakte zu Beratungs- und Fachstellen, aber auch zu Kliniken, damit diese dem Thema zukünftig mit mehr Offenheit begegnen.
Auch die Themen Demenz, Pflege und die Unterstützung von Angehörigen werden uns weiter beschäftigen. Gerade mit Blick auf die Altersstruktur vieler Gruppen wird es wichtig sein, gemeinsam Lösungen für veränderte Bedürfnisse innerhalb der Selbsthilfe zu finden.
Ein großes Dankeschön an alle Teilnehmenden, die sich beteiligt, offen berichtet und ihre Ideen eingebracht haben. Die vielen Gespräche und konkreten Vorschläge zeigen, dass im Landkreis Görlitz bereits viel Engagement und Erfahrung vorhanden ist.
Jetzt geht es darum, daraus gemeinsam die nächsten Schritte zu machen. Gemeinsam mit Ihnen.
Unsere nächsten Termine:
Samstag, 31.10.2026
Bewerbungsfrist für die Kandidatur im Selbsthilfebeirat
Mittwoch, 04.11.2026
Nördlicher Stammtisch in Weißwasser
Montag, 23.11.2026
Südlicher Stammtisch in Görlitz

Wir bedanken uns herzlich bei Marco Mende vom ASB Görlitz, mit dem wir diese Veranstaltung gemeinsam organisiert haben und dank dem wir die Räumlichkeiten des ASB Görlitz nutzen durften. Wir freuen uns schon auf die nächsten gemeinsamen Aktionen!







